Die Erde hat Fieber

Ist es ein Unterschied, ob sich die Erde um 1,5 oder zwei Grad erwärmt – oder um drei, vier oder fünf? Der Weltklimarat IPCC hat die aktuelle Lage analysiert.

Eine Abweichung der globalen klimatischen Durchschnittstemperatur um wenige Grad entscheidet über den Gesundheitszustand der Erde. Man begreift die Tragweite, wenn man die Analogie zur Körpertemperatur des Menschen zieht. Liegt sie bei 37 Grad Celsius, dann fühlt er sich wohl. Ein Grad mehr, und der Mensch fühlt sich schon unwohl. Bei zwei Grad mehr geht es ihm schon richtig schlecht und bei fünf Grad plus tritt der Tod ein.

Für die Welt bietet das 1,5-Grad-Limit, für das man sich auf der Klimakonferenz in Paris 2015 verständigt hat, eine Art Sicherheitsnetz. Es würde sicherstellen, dass mehrere Kippelemente des Klimas nicht aktiviert werden, wie das Austrocknen des Amazonas-Regenwaldes, das rasante Auftauen der Permafrostböden oder das komplette Abschmelzen des Grönland-Eises, das den Meeresspiegel um rund sieben Meter ansteigen lassen würde. Bei zwei Grad Erwärmung droht dieses Netz zu reißen.

Der aktuelle IPCC-Report sorgt für Ernüchterung. Er zeigt: Die 1,5 Grad sind nur noch zu halten, wenn in den nächsten beiden Jahrzehnten drastische Maßnahmen in allen wichtigen Sektoren ergriffen werden – Energie, Verkehr, Industrie, Städte, Landwirtschaft, Wälder. Ohne ein solches Umsteuern würde die 1,5-Grad-Marke bereits in den 2040er Jahren überschritten. Seit Beginn der Industrialisierung um 1850 ist schon ein Grad plus erreicht. Weitreichende Folgen des Klimawandel sind schon zu spüren, z.B. mehr Extremwetter-Ereignisse, steigende Meeresspiegel und das Abschmelzen der arktischen Polkappen.

Doch der Turboumbau der Weltwirtschaft zur echten Energie-Nachhaltigkeit liegt derzeit noch jenseits der Vorstellungskraft, die Erfahrungen mit der bisherigen Klima- und Energiepolitik der großen Wirtschaftsnationen sprechen dagegen. Die Schlussfolgerung aus dem IPCC-Report ist also, die Ambitionen massiv zu verstärken. Die Welt befindet sich derzeit auf einem Pfad von drei bis vier Grad – die Regierungen müssen ihre Klimapolitik dringend verbessern.

Das wollen die Menschen. Die Zustimmung der deutschen Bevölkerung zur Energiewende ist ungebrochen. 93 Prozent sprechen sich für eine stärkere Nutzung und den stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien aus. Das geht aus der aktuellen Akzeptanzumfrage der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hervor, die durch das Meinungsforschungsinstitut Kantar EMNID durchgeführt wurde. Insbesondere die Menschen, die in der Nähe von Anlagen von Erneuerbaren wohnen, sind ihnen gegenüber aufgeschlossen. 83 Prozent der Solarpark-Anrainer und 69 Prozent der Befragten mit einer Windenergieanlage in der Nachbarschaft bewerten die Anlagen als positiv.

Zur AEE-Umfrage:
https://www.unendlich-viel-energie.de/presse/pressemitteilungen/klares-bekenntnis-der-deutschen-bevoelkerung-zu-erneuerbaren-energien

Bisher ist der Treibhausgas-Ausstoß trotz der internationalen Klimaverträge fast kontinuierlich gestiegen. 2017 erreichte er einen neuen Rekordwert: Die durch Energieproduktion bedingten CO2-Emissionen stiegen auf 32,5 Milliarden Tonnen, bei 7,6 Milliarden Erdenbürgern.

Der IPCC-Report macht klar, dass die Hürden für einen schnellen klimafreundlichen Umbau der Welt hoch sind. „Die gute Nachricht ist allerdings, dass einige der Maßnahmen für eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad bereits auf der ganzen Welt eingeleitet sind“, sagt die leitende IPCC-Forscherin Valerie Masson-Delmotte.

Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren weltweit mehr Investitionen in neue Öko-Kraftwerke als in fossile Anlagen geflossen. Aber es müsse schneller gehen, so Masson-Delmotte. Der bekannte Klimaforscher und Betriebswirt Mojib Latif sagt: „Couragierter Klimaschutz fördert Innovation und sichert unsere wirtschaftliche Zukunft. Eine Win-win-Situation.“ Politiker, Unternehmen, Forscher und Bürger sollten hierfür, aus eigenem Interesse, ihren Beitrag leisten.

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