Sonneninitiative
Sonneninitiative Blog

Die wichtigsten Neuigkeiten der letzten Wochen rund um Bürgerenergie, Photovoltaik und aktuelle Gesetzgebung – kompakt und auf den Punkt.

10 Artikel Neueste Beiträge Zum vollständigen Archiv
Jan Simon 3 Min. Lesezeit Kommunale Zusammenarbeit Bürgersonnenkraftwerk

Bürgersonnenkraftwerke in Frankfurt: besser planen, schneller bauen

Seit vielen Jahren baut die Sonneninitiative Bürgersonnenkraftwerke auf Dächern der Stadt Frankfurt. Die Zusammenarbeit ist in dieser Zeit deutlich professioneller geworden. Es gibt einen festen Ansprechpartner im zuständigen Amt für Bau und Immobilien (ABI), wir sind früh in städtische Bauvorhaben eingebunden, und die Abläufe sind spürbar schneller.

Wenn die Stadt Frankfurt heute ein Gebäude neu baut oder ein Dach saniert, ist die Sonneninitiative oft schon in der Planungsphase dabei. Das ist das Ergebnis einer langen Zusammenarbeit, die sich Schritt für Schritt verbessert hat. Heute ist sie für beide Seiten ein Gewinn.

Ein Anfang mit Hürden

In den ersten Jahren lief nicht alles rund. In der Kommunikation und bei der Ausführung gab es immer wieder Probleme. Abstimmungen dauerten lange, Objektunterlagen waren unvollständig, und nicht immer war klar, wer wofür zuständig ist. Mit jedem gemeinsamen Projekt haben beide Seiten dazugelernt.

Ein fester Ansprechpartner und kurze Wege

Heute hat die Sonneninitiative einen festen Ansprechpartner im Amt für Bau und Immobilien der Stadt Frankfurt. Über diesen Kontakt kommen wir direkt mit den Firmen zusammen, die städtische Neubauten und Dachsanierungen ausführen. So sind wir schon bei Entwicklung und Planung eingebunden und auch während der Bauarbeiten. Die Photovoltaik-Anlage planen wir von Anfang an mit, statt erst nach Abschluss der Arbeiten damit zu beginnen. Fragen klären wir direkt mit den ausführenden Unternehmen, und Dach und Solaranlage werden aufeinander abgestimmt. Dadurch läuft vieles reibungsloser und zielgerichteter.

Höhere Anforderungen, straffere Abläufe

Die Anforderungen sind gestiegen. Die Stadt hat dazu einen Katalog mit technischen Bedingungen erstellt. Bei Neubauten und Dachsanierungen verlangt sie zum Beispiel inzwischen fast immer ein Gründach. Dachbegrünung und Photovoltaik müssen deshalb gemeinsam geplant und gebaut werden. Trotzdem laufen die Projekte heute deutlich straffer als früher: Wir planen besser und bauen schneller.

Zweiter, dritter und vierter Bauabschnitt

Wie gut das funktioniert, sieht man an Standorten, an denen wir schon Bürgersonnenkraftwerke betreiben. An der Franz-Böhm-Schule ist bereits ein Bürgersonnenkraftwerk mit 90 kWp am Netz. Zurzeit bauen wir dort den zweiten Bauabschnitt mit weiteren 122 kWp. An der Georg-August-Zinn-Schule kommt zum ersten Bürgersonnenkraftwerk mit 100 kWp ein zweiter Bauabschnitt hinzu. Auch das Bürgersonnenkraftwerk am Lessing-Gymnasium mit 70 kWp wird um einen zweiten Teil erweitert [kWp der Erweiterung bitte ergänzen]. Für die Europäische Schule bereiten wir schon den vierten Bauabschnitt mit rund 189 kWp vor.

Aktuell auf Frankfurter Dächern

Weitere Anlagen sind gerade im Bau oder starten in Kürze:

  • Franz-Böhm-Schule, 2. Bauabschnitt: 122 kWp

  • Leibnizschule: 173 kWp

  • Amt für Informations- und Kommunikationstechnik: 165 kWp

  • Friedrich-Fröbel-Schule: 29 kWp

  • Zentgrafenschule: 55 kWp

Zusammen ist das rund ein halbes Megawatt neue Solarleistung auf städtischen Dächern.

Für Bürgerinnen und Bürger heißt das: In Frankfurt entstehen immer wieder neue Möglichkeiten, bei einem Bürgersonnenkraftwerk mitzumachen und die Energiewende in der Region aktiv voranzubringen.

Ein Modell für andere Kommunen

Die Erfahrungen aus Frankfurt lassen sich gut übertragen. Dazu gehören ein fester Ansprechpartner, eine frühe Einbindung in Bauvorhaben und klare Abläufe mit den ausführenden Firmen. Die Kommune bringt ihre Dächer in den Klimaschutz ein, Bürgerinnen und Bürger finanzieren die Anlagen, und der Solarstrom wird vor Ort erzeugt und verbraucht. Das entlastet das Stromnetz, dient dem Klimaschutz und spart der Stadt viel Geld für teuren Strom aus dem Netz.

Wir danken der Stadt Frankfurt für die gute und verlässliche Zusammenarbeit und freuen uns auf die nächsten Projekte. Kommunen, die ihre Dächer ähnlich nutzen möchten, können sich gern bei uns melden.

Jan Simon 3 Min. Lesezeit Investment & Rendite Technik & Wissen Energiewende & Klima

Neunmonatsbilanz 2026: Sonniger Sommer holt den Rückstand auf

Nach einem schwächeren ersten Halbjahr haben unsere Bürgersonnenkraftwerke im Sommer kräftig aufgeholt. Nach neun Monaten liegen die Erträge gleichauf mit dem Rekordjahr 2025 – dank eines außergewöhnlich sonnigen Julis und Septembers.

Im Juli hatten wir an dieser Stelle über ein erstes Halbjahr berichtet, in dem die spezifischen Erträge unserer Bürgersonnenkraftwerke je nach Standort 4 bis 10 Prozent unter dem Rekordjahr 2025 lagen – vor allem wegen eines trüben Februars. Damals schrieben wir, dass sich solche Schwankungen über das Jahr ausgleichen. Drei Monate später zeigen die Ertragsdaten: Genau das ist passiert.

Gleichauf mit dem Rekordjahr

Von Januar bis September erzielten unsere drei Referenzanlagen in Babenhausen, Hainburg-Hainstadt und Kirchhain-Kleinseelheim durchschnittlich rund 894 kWh/kWp – praktisch genauso viel wie im gleichen Zeitraum des Rekordjahres 2025 (892 kWh/kWp). Gegenüber 2024 liegt das Ergebnis rund 11 Prozent höher, gegenüber 2023 rund 4 Prozent. Babenhausen hat das Vorjahr sogar um gut 2 Prozent übertroffen und verbucht damit die besten ersten neun Monate seit 2023. Hainburg-Hainstadt liegt exakt auf Vorjahresniveau, Kirchhain-Kleinseelheim mit 2 Prozent knapp darunter.

Juli und September mit Sonne satt

Die Wende kam mit dem Sommer. Der Juli brachte in Hessen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) rund 283 Sonnenstunden – knapp 40 Prozent mehr als im langjährigen Mittel – und so wenig Regen wie wohl noch kein Juli seit Messbeginn. Unsere Anlagen erzeugten 17 bis 23 Prozent mehr Strom als im Juli 2025. An allen drei Standorten war es der stärkste Juli im Vierjahresvergleich.

Der August gehörte mit rund 254 Sonnenstunden in Hessen sogar zu den fünf sonnigsten seit 1951. Die Erträge lagen trotzdem nur etwa auf Vorjahresniveau (minus 6 bis plus 2 Prozent). Ein Grund dürfte die Hitze sein: Mit 20,3 Grad war der August in Hessen fast vier Grad wärmer als im Mittel – und Solarmodule arbeiten bei hohen Temperaturen etwas weniger effizient.

Der September setzte dann noch einen drauf: Mit rund 198 Sonnenstunden lag er in Hessen 39 Prozent über dem Mittel. Gegenüber dem schwachen September 2025 legten die Erträge unserer Anlagen um 21 bis 35 Prozent zu.

Das beste dritte Quartal seit 2023

Unterm Strich war das dritte Quartal 2026 mit durchschnittlich 361 kWh/kWp das ertragsstärkste im Vierjahresvergleich – rund 13 Prozent über dem Vorjahresquartal und an allen drei Standorten ein Höchstwert. Damit hat allein dieses Quartal den Rückstand aus dem ersten Halbjahr von rund 39 kWh/kWp vollständig wettgemacht. Der Sommer insgesamt gehört laut DWD bundesweit zu den fünf sonnigsten seit Beginn der Aufzeichnungen 1951.

Was bedeutet das für die Beteiligten?

Die Zahlen bestätigen, was wir im Juli geschrieben haben: Einzelne Wettermonate schwanken, über längere Zeiträume gleichen sie sich verlässlich aus. Dass der Rückstand eines ganzen Halbjahres innerhalb eines einzigen Quartals aufgeholt wird, ist dafür ein schönes Beispiel. Für die Jahresbilanz sind die Weichen gestellt: Das vierte Quartal trägt erfahrungsgemäß nur knapp ein Zehntel zum Jahresertrag bei. Verläuft der Herbst durchschnittlich, ist ein Jahresergebnis auf dem Niveau des Rekordjahres 2025 in Reichweite.

Fazit

Nach neun Monaten steht 2026 auf Augenhöhe mit dem Rekordjahr 2025. Der sonnige Sommer – allen voran Juli und September – hat den trüben Februar mehr als ausgeglichen. Die detaillierten Verläufe zeigen unsere interaktiven Grafiken zu Monats-, Quartals- und Neunmonatserträgen.

Quellen:

Deutscher Wetterdienst: Deutschlandwetter im Juli 2026 (Pressemitteilung vom 30.07.2026)

Deutscher Wetterdienst: Deutschlandwetter im August 2026 (Pressemitteilung vom 31.08.2026)

Deutscher Wetterdienst: Deutschlandwetter im Sommer 2026 (Pressemitteilung vom 31.08.2026)

Deutscher Wetterdienst: Deutschlandwetter im September 2026 (Pressemitteilung vom 29.09.2026)

Ertragsdaten: Sonnenportal der Sonneninitiative e.V., Stand 03.10.2026

Jan Simon 3 Min. Lesezeit Technik & Wissen Energiewende & Klima

Eine Solaranlage steckt die Nachbarschaft an

Eine Studie mit Daten von mehr als 260.000 Haushalten zeigt: Wer eine Solaranlage in der Nähe hat, entscheidet sich eher für eigene Photovoltaik oder ein Elektroauto und verbraucht weniger Strom. Je näher die Anlage steht, desto stärker ist der Effekt.

Eine Solaranlage erzeugt nicht nur Strom. Sie wirkt offenbar auch auf die Menschen in ihrer Umgebung. Das zeigt eine Untersuchung von Patrick Bigler (Universität Lausanne) und Benedikt Janzen (Universität Passau), die im Journal of Public Economics erschienen ist. Die beiden Wissenschaftler haben Daten von mehr als 260.000 Haushalten im Schweizer Kanton Bern aus den Jahren 2008 bis 2019 ausgewertet: Solaranlagen, Stromverbrauch und Autobesitz, dazu Angaben zu Einkommen, Gebäuden und zur Eignung der Dächer für Photovoltaik.

Je näher, desto stärker

Kommt in 100 Metern Entfernung eine weitere Solaranlage hinzu, verändert sich das Verhalten eines Haushalts messbar:

  • Die Wahrscheinlichkeit für eine eigene Solaranlage steigt um rund 2 Prozent.

  • Die Wahrscheinlichkeit für die Anschaffung eines Elektroautos steigt um rund 2,3 Prozent.

  • Der jährliche Stromverbrauch sinkt um rund 0,21 Prozent, im Schnitt um etwa elf Kilowattstunden.

Steht die neue Anlage nur zehn Meter entfernt, fallen die Effekte etwa zehnmal so groß aus. Die Wahrscheinlichkeit einer eigenen PV-Anlage steigt dann um rund 20 Prozent, beim Elektroauto um rund 23 Prozent. Der Stromverbrauch sinkt um etwa 2,1 Prozent. Mit wachsender Entfernung nehmen die Effekte schnell ab.

Damit nicht einfach die Zusammensetzung eines Viertels gemessen wird, also etwa ohnehin besonders umweltbewusste oder wohlhabende Bewohnerinnen und Bewohner, haben die Forscher mehrere Faktoren kombiniert: die bekannte Solareignung von Millionen Dachflächen, die über die Jahre gesunkenen Anlagenpreise sowie Einkommen, Alter, Haushaltsgröße, Wohneigentum, Gebäudetyp und lokale Strompreise.

Vorbild, Gespräch, Erfahrung

Warum Nachbarn reagieren, lässt sich nicht abschließend belegen. Benedikt Janzen vermutet, dass soziale Normen eine zentrale Rolle spielen: Wer die Installation beim Nachbarn sieht, versteht sie als Beitrag zum Klimaschutz und möchte selbst etwas beitragen. Genauso können Gespräche über den Gartenzaun und eigene Beobachtungen eine Rolle spielen. Funktioniert die Technik? Wie aufwendig ist die Installation? Lohnt sich das? Eine Anlage in der Nähe liefert darauf ganz praktische Antworten.

In einer Simulation haben die Autoren außerdem hochgerechnet, was das über viele Haushalte bedeutet. Eine neue Solaranlage führt demnach im Median rechnerisch zu 0,07 weiteren Solaranlagen, 0,05 zusätzlichen Elektroautos und rund 3,7 Megawattstunden weniger Stromverbrauch pro Jahr in der Nachbarschaft. Rechnet man diese Effekte ein, steigt das Maß für den gesellschaftlichen Nutzen der untersuchten Solarförderung um rund 17 Prozent.

Nicht jeder kann aufs eigene Dach

Am deutlichsten fiel der Effekt auf neue PV-Anlagen bei Hauseigentümerinnen und -eigentümern sowie in Einfamilienhäusern aus. Mieterinnen und Mieter können meist keine eigene Anlage bauen. Sie reagierten eher, indem sie Strom sparten. In ländlichen Gebieten waren mehrere Effekte besonders ausgeprägt.

Genau hier setzen Bürgersonnenkraftwerke an. Wer kein eigenes geeignetes Dach hat, kann trotzdem eigene Photovoltaik-Module auf einem Dach in der Region erwerben und so selbst an der Energiewende mitwirken. Und jede Anlage auf einer Schule, einer Halle oder einem Betriebsgebäude ist für viele Menschen sichtbar. Sie zeigt im Alltag, dass Solarstrom vor Ort funktioniert.

Ein Ergebnis mit Grenzen und eine Einladung

Die Daten stammen aus dem Kanton Bern und aus den Jahren 2008 bis 2019. Eins zu eins auf Deutschland übertragen lassen sie sich nicht. Ein Muster ist aber deutlich: Solaranlagen wirken über das eigene Grundstück hinaus.

Für die Sonneninitiative e.V., die seit fast 25 Jahren Solaranlagen auf Dächern umsetzt, ist das ein weiterer guter Grund, die Energiewende sichtbar in die Nachbarschaft zu bringen. Sie haben ein geeignetes Dach oder möchten bei einem Bürgersonnenkraftwerk mitmachen? Dann melden Sie sich gerne bei uns: [bitte ergänzen: Kontakt/Link].

Quelle: Universität Passau; Bigler, P. & Janzen, B., Journal of Public Economics (2026)

Jan Simon 4 Min. Lesezeit Steuern Bürgersonnenkraftwerk

Kleinunternehmer ab 2027: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den Wechsel

Sie haben keine Lust mehr auf Umsatzsteuervoranmeldungen und -erklärungen? Wer ab 2027 als Kleinunternehmerin oder Kleinunternehmer gelten will, sollte jetzt handeln. Der Wechsel ist nur zum Jahresbeginn möglich, und dafür müssen Finanzamt und Sonneninitiative rechtzeitig Bescheid wissen. Hier erklären wir, für wen sich das lohnt und wie es geht.

Viele Besitzerinnen und Besitzer unserer Bürgersonnenkraftwerke haben sich beim Kauf ihrer Anlage für die Regelbesteuerung entschieden. So bekamen sie die Umsatzsteuer auf den Kaufpreis vom Finanzamt zurück. Bei vielen Anlagen ist dieser Schritt inzwischen mehr als fünf Jahre her. Damit fällt der wichtigste Grund weg, weiter Umsatzsteuer-Voranmeldungen abzugeben. Wer ab dem 1. Januar 2027 in die Kleinunternehmerregelung wechseln möchte, sollte das jetzt vorbereiten: beim Finanzamt und bei uns.

Zur Einordnung

Eine wichtige Unterscheidung vorab: Einkommensteuer und Umsatzsteuer haben nichts miteinander zu tun. Oft sind sogar verschiedene Finanzämter oder Steuernummern zuständig. In diesem Artikel geht es ausschließlich um die Umsatzsteuer.

Wer eine Photovoltaikanlage betreibt, ist gewerblich tätig und grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig. Auf Einnahmen wird Umsatzsteuer aufgeschlagen und an das Finanzamt abgeführt. Im Gegenzug bekommt man die Umsatzsteuer auf erhaltene Rechnungen als Vorsteuer zurück. Der größte Posten war bei Anlagen, die vor 2023 gekauft wurden, die Rechnung über Kauf und Installation. Knapp ein Sechstel davon war Vorsteuer.

Dafür handelt man sich aber viel Bürokratie ein: Voranmeldungen über ELSTER, eine jährliche Umsatzsteuererklärung, Bescheide und die Möglichkeit einer Umsatzsteuerprüfung. Also 20 Jahre Papierkram für eine einzige Rückerstattung? Das muss nicht sein.

Wer kann wechseln?

Seit 2025 gelten neue Umsatzgrenzen für die Kleinunternehmerregelung nach § 19 Umsatzsteuergesetz (UStG):

  • Der Umsatz im Vorjahr lag bei höchstens 25.000 €.

  • Der Umsatz im laufenden Jahr liegt voraussichtlich bei höchstens 100.000 €.

Gemeint ist der Gesamtumsatz aus allen unternehmerischen Tätigkeiten, nicht nur aus der Photovoltaik.

Wer beim Kauf auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet hat, ist an diese Entscheidung mindestens fünf Kalenderjahre gebunden. Danach kann man den Verzicht widerrufen, allerdings nur mit Wirkung zum Beginn eines Kalenderjahres.

Die Fünf-Jahres-Frist bei der Vorsteuer

Liegt der Kauf der Anlage weniger als fünf Jahre zurück, muss man die erstattete Vorsteuer anteilig zurückzahlen, für jedes fehlende Jahr ein Fünftel. Wer seine Anlage 2021 oder früher gekauft hat, kann zum 1.1.2027 ohne Verluste wechseln. Wer 2022 gekauft hat, sollte prüfen, ob noch ein kleiner Restbetrag anfällt.

Lohnt es sich für mich?

Ohne Kleinunternehmerregelung

Mit Kleinunternehmerregelung

Umsätze steuerfrei?

Nein

Ja

Eigenverbrauch steuerfrei?

Nein

Ja

Vorsteuer abziehbar?

Ja

Nein

USt-Voranmeldungen abgeben?

Ja

Nein

Der gesparten Arbeit steht die Vorsteuer auf laufende Kosten gegenüber, die man nicht mehr erstattet bekommt. Bei unseren Bürgersonnenkraftwerken sind das in der Regel nur die Betriebskostenpauschale, Messkosten und Dachmieten. Größere Reparaturen kommen selten vor. Pro Kilowatt peak geht es so im Normalfall um wenige Euro im Jahr. Die Zeitersparnis beträgt dagegen mehrere Stunden pro Jahr.

Die Entscheidung trifft jede und jeder selbst. Wer weniger als etwa 10 Kilowatt peak besitzt, dem raten wir in der Regel zum Wechsel. In Zweifelsfällen empfehlen wir, eine Steuerberatung hinzuzuziehen.

So geht's

Sind beide Voraussetzungen erfüllt (Umsatzgrenzen eingehalten, fünf Jahre seit dem Kauf vergangen), teilen Sie dem Finanzamt formlos mit, dass Sie ab 2027 die Kleinunternehmerregelung anwenden. Damit alles reibungslos zum Jahreswechsel greift, sollte Ihr Schreiben spätestens im November beim Finanzamt sein.

Textbaustein:

„Hiermit widerrufe ich meinen Verzicht auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung und beantrage die Anwendung der Kleinunternehmerregelung gem. § 19 UStG ab dem 1. Januar 2027. Bitte bestätigen Sie mir die Umstellung.“

Wenn Sie ein Bürgersonnenkraftwerk der Sonneninitiative besitzen, geben Sie uns bitte gleich Bescheid, sobald Sie die Bestätigung des Finanzamts haben. Spätestens muss die Nachricht bis zum 31. Dezember 2026 bei uns sein. Wir stellen Ihre Gutschriften dann ab dem 1.1.2027 ohne Umsatzsteuer aus. Eine Umstellung im laufenden Jahr ist nicht möglich.

Wer weitere Photovoltaikanlagen besitzt, informiert auch den Netzbetreiber. Wer Strom an Dritte verkauft, stellt ab dem 1.1.2027 Rechnungen ohne Umsatzsteuer aus und weist auf die Kleinunternehmerregelung hin, zum Beispiel so: „Für den Rechnungsstellenden gilt die Kleinunternehmerregelung gem. § 19 UStG. Es wird keine Umsatzsteuer ausgewiesen.“

Achtung: Wer nach dem Wechsel versehentlich noch Umsatzsteuer auf Rechnungen ausweist, muss sie trotzdem an das Finanzamt abführen. Der Rechnungsempfänger kann sie aber nicht als Vorsteuer abziehen. Das ist ein echter Verlust, gewinnen kann dabei nur das Finanzamt.

Umsatzsteuerbefreiung in fünf Schritten

  1. Berechtigung prüfen (Vorjahresumsatz bis 25.000 €)

  2. Prüfen, ob noch Vorsteuer zurückzuzahlen ist (ohne Rückzahlung, wenn die Anlage älter als fünf Jahre ist)

  3. Schreiben formlos bis Ende November ans Finanzamt schicken

  4. Kleinunternehmerschaft bis 31.12.2026 an die Sonneninitiative bzw. den Netzbetreiber melden

  5. Ab 2027 keine Umsatzsteuerbürokratie mehr

Für Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger

Seit dem 1.1.2023 gilt für Kauf und Errichtung einer Photovoltaikanlage bis 30 Kilowatt peak ein Steuersatz von null Prozent. Maßgeblich ist die installierte Leistung laut Marktstammdatenregister. Auf der Kaufrechnung steht also keine Vorsteuer mehr. Wer eine solche Anlage kauft und keine weiteren Photovoltaikanlagen besitzt, kann direkt als Kleinunternehmerin oder Kleinunternehmer starten und spart sich den Papierkram von Anfang an.

Fragen?

Schildern Sie uns Ihren Fall per E-Mail an christian.quast@sonneninitiative.de oder telefonisch unter 06421 – 8096202 (Mo.–Fr. 9:00–16:00 Uhr). Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Steuerberatung leisten dürfen. Für Ihre persönliche Situation wenden Sie sich an Ihre Steuerberaterin oder Ihren Steuerberater.

Jan Simon 4 Min. Lesezeit Vereinsarbeit Energiewende & Klima Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

Ein Sarg für den Klimaschutz: Protest gegen Hessens neues Klimagesetz

Mit Sarg und Totenglocke protestierten Verbände in Wiesbaden gegen die geplante Novelle des Hessischen Klimagesetzes. Die Landesregierung will ihre Klimaziele unverbindlich machen. Was der Entwurf vorsieht, wer widerspricht – und warum Bürgerenergie davon unabhängig weiterläuft.

Aus „muss" wird „soll": Hessen schwächt sein Klimagesetz

Um kurz nach elf Uhr läutet auf dem Dernschen Gelände in Wiesbaden eine Totenglocke. Vier schwarz gekleidete Menschen tragen einen Sarg, dahinter folgen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit weißen Rosen in den Händen. Auf symbolischen Grabsteinen steht „Erstickt: die nachhaltige Mobilität" und „Verbrannt: Wälder und Wiesen – Dürre in Hessen". Rund 80 Menschen haben sich am 1. September unweit von Rathaus und Landtag versammelt, um den Klimaschutz sinnbildlich zu Grabe zu tragen. Eingeladen hatte ein Bündnis aus BUND, DGB, Paritätischem Wohlfahrtsverband, VCD und ADFC unter dem Motto „Klimaschutz beerdigen? Nicht mit uns!".

Der Anlass ist die geplante Novelle des Hessischen Klimagesetzes. Der Entwurf von CDU und SPD soll im November in den Landtag eingebracht werden.

Was sich ändern soll

Bisher schreibt das Gesetz Klimaneutralität bis 2045 verbindlich vor, ebenso die Zwischenziele auf dem Weg dorthin – eine Minderung der Emissionen um 65 Prozent bis 2030 und um 88 Prozent bis 2040. Künftig sollen diese Ziele nur noch angestrebt werden; unter „besonderen Umständen" wäre eine Abweichung möglich. Die Ziele einzelner Sektoren entfallen ganz. Auch das Kontrollsystem wird ausgedünnt: Monitoring- und Berichtspflichten werden reduziert, die verbindliche Nachsteuerung bei Zielverfehlung durch Beratung ersetzt, die gesetzliche Evaluierung gestrichen. Der wissenschaftliche Klimabeirat verliert seine fachliche Qualifikationsanforderung und wird für Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Gewerkschaften und Kommunen geöffnet.

Die Landesregierung begründet das mit dem Abbau unnötiger Bürokratie und betont, am Ziel der Klimaneutralität bis 2045 ändere sich nichts. Die Kritik setzt genau hier an: Ein Ziel, das nur noch erreicht werden „soll", lässt sich ohne Gesetzesänderung verschieben.

Die Kritik

„Wir sind empört über diesen Offenbarungseid der Landesregierung in Sachen Klimaschutz", sagte Werner Neumann vom BUND-Vorstand bei der Kundgebung. Man erlebe in Hessen „vertane Chancen, verlorene Jahre". Der Gesetzentwurf sei „richtig gefährlich" und müsse zurückgezogen werden.

Der Protest steht nicht allein. Acht Organisationen – neben den Genannten auch der Landfrauenverband Hessen, der Landesverband Windenergie und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau – fordern seit dem Frühjahr eine Neuorientierung der hessischen Klimapolitik. Vierzehn hessische Hochschulen haben sich gegen die Novelle positioniert, der Hessische Städtetag nennt die Änderungen „hochproblematisch". Rückendeckung erhält der Entwurf von der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, die auf „pragmatischen" Klimaschutz verweist.

Am weitesten geht ein Rechtsgutachten der Scientists for Future Frankfurt (Main) e. V. vom 10. September. Es benennt dreizehn Stellen, an denen die Novelle das Schutzniveau senkt, und hält zwei Regelungen für verfassungswidrig: die automatische Anpassung der hessischen Ziele an künftige Bundesziele und den Wegfall der wissenschaftlichen Qualifikation des Klimabeirats. Die Gutachter berufen sich auf den Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 24. März 2021 und schlagen sechs Nachbesserungen vor – an erster Stelle die Rückführung der Klimaziele in verbindliche Vorschriften.

Auch aus Marburg angereist

Unter den Protestierenden in Wiesbaden waren Karin Edtmüller, Ingrid Peters und Claus Schäfer von den „Parents for Future" aus Marburg. Sie hatten zuvor in der Lokalzeitung eine Traueranzeige für die Hitzetoten dieses Sommers veröffentlicht. Ihre Kritik: Es werde weiter in fossile Energien investiert, während die Erneuerbaren ausgebremst würden.

Was das für die Energiewende vor Ort bedeutet

Verbindliche Ziele sind kein Selbstzweck. Sie schaffen Planungssicherheit – für Kommunen, für Unternehmen, die in Photovoltaik investieren, und für alle, die ihr Dach zur Verfügung stellen. Wo Ziele unverbindlich werden, verschiebt sich die Verantwortung: weg von der Landespolitik, hin zu denen, die vor Ort ohnehin handeln.

Genau hier liegt die Stärke der Bürgerenergie. Ein Bürgersonnenkraftwerk fragt nicht, ob ein Ziel im Gesetz „muss" oder „soll" heißt. Es entsteht, wenn ein Dach, ein Dachgeber und Bürgerinnen und Bürger zusammenkommen, die eigene Solarmodule kaufen und betreiben. Wer mitmacht, erwirbt ein eigenständiges Wirtschaftsgut, das ihm oder ihr gehört – ein eigenes Stück Kraftwerk auf einem fremden Dach. Die Sonneninitiative begleitet diesen Weg seit Jahren und wird ihn unabhängig vom Ausgang der Gesetzesnovelle weitergehen.

Wir halten die geplante Abschwächung für ein falsches Signal. Umso mehr laden wir dazu ein, die regionale Energiewende selbst in die Hand zu nehmen: als Dachgeberin, als Kommune, als Unternehmen – oder mit eigenen Solarmodulen in einem unserer Bürgersonnenkraftwerke.

Quellen

  • FR, „Bündnis trägt Klimaschutz zu Grabe", 01.09.2026, Quirin Hacker und Hanning Voigts

  • hessenschau, „Hessen will bei Klimazielen unverbindlicher werden", 15.07.2026

  • hessenschau, „Forschergruppe hält Änderungen an Hessens Klimagesetz für verfassungswidrig", 12.09.2026

  • Scientists for Future Frankfurt (Main) e. V., Rechtsgutachten zur Novelle, 10.09.2026

  • DGB Hessen-Thüringen, Bündnis-Pressemitteilung, 26.03.2026

  • Grüne Landtagsfraktion Hessen, Pressemitteilungen vom 19.06.2026 und 01.09.2026

Jan Simon 2 Min. Lesezeit Vereinsarbeit Technik & Wissen

Nicht nur Bürgersonnenkraftwerke: Verein baut schlüsselfertig für die Lebenshilfe Marburg

Auf dem Dach der Lebenshilfe Marburg e. V. entsteht eine neue Photovoltaikanlage. Geplant und gebaut wird sie von der Sonneninitiative e. V. – diesmal nicht als Bürgersonnenkraftwerk, sondern als Generalunternehmer. Die Anlage geht anschließend in das Eigentum der Lebenshilfe über, die den Solarstrom selbst nutzt und die Anlage selbst betreibt.

Zwei Wege zur eigenen Solaranlage

Bekannt ist die Sonneninitiative vor allem für ihre Bürgersonnenkraftwerke: Dort stellen Dachgeber ihre Fläche zur Verfügung, Bürgerinnen und Bürger finanzieren die Anlage, der Verein entwickelt und betreut sie. Daneben gibt es einen zweiten Weg, der seltener öffentlich sichtbar wird, aber seit Jahren zum Alltag des Vereins gehört: Die Sonneninitiative übernimmt die Anlage als Generalunternehmer – von der Auslegung über die Komponentenauswahl und die Montage bis zum Netzanschluss, zur Inbetriebnahme und zur Anmeldung im Marktstammdatenregister. Am Ende steht eine schlüsselfertige Anlage; Eigentum, Stromnutzung und Betrieb bleiben vollständig beim Dacheigentümer.

Für die Lebenshilfe Marburg war genau das der passende Weg: Der Verein wollte den erzeugten Strom direkt in den eigenen Einrichtungen einsetzen und die Anlage selbst betreiben – und für Planung und Bau einen erfahrenen Partner an der Seite haben.

Fast 25 Jahre Erfahrung mit Solardächern

Die Sonneninitiative begleitet seit fast 25 Jahren Photovoltaikprojekte auf Dächern in der Region. Diese Erfahrung entscheidet in der Praxis über die Qualität einer Anlage: Wie belastbar ist die Dachkonstruktion, und welche Befestigung passt zur Eindeckung? Wo verschatten Aufbauten, Gauben oder Bäume im Jahresverlauf? Und – häufig unterschätzt – wie groß sollte die Anlage überhaupt sein? Eine Auslegung, die sich am tatsächlichen Stromverbrauchsprofil orientiert statt allein an der verfügbaren Dachfläche, bringt in der Regel den besseren wirtschaftlichen Ertrag. Auch der Netzanschluss will früh geklärt sein, damit der Zeitplan hält.

Nutzen für die Einrichtung und für die Region

Je mehr Solarstrom direkt vor Ort verbraucht wird, desto stärker wirkt die Anlage: Strom vom eigenen Dach ersetzt eingekauften Netzstrom und macht einen Teil der Energiekosten für die kommenden Jahrzehnte planbar. Bei der Lebenshilfe bedeutet das, dass Mittel dort bleiben, wo sie gebraucht werden – in der sozialen Arbeit.

Zugleich entlastet jede Kilowattstunde, die gar nicht erst ins Netz eingespeist wird, die Verteilnetze – ein Vorteil, den Dachanlagen gegenüber Freiflächenanlagen haben. Und das Dach, das ohnehin vorhanden ist, erzeugt sauberen Strom, ohne dass dafür zusätzliche Fläche in Anspruch genommen wird.

Sie haben ein geeignetes Dach?

Vereine, soziale Einrichtungen, Unternehmen und Kommunen, die eine eigene Photovoltaikanlage planen und selbst betreiben möchten, können sich an die Sonneninitiative wenden. Wir prüfen die Eignung des Daches, entwickeln einen passenden Vorschlag und setzen die Anlage schlüsselfertig um – oder zeigen auf, ob ein Bürgersonnenkraftwerk der bessere Weg ist.

Jan Simon 1 Min. Lesezeit Vereinsarbeit Veranstaltung Politik & Recht Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Energiewende & Klima

Ausbauen statt ausbremsen": Demo am 9. Oktober in Berlin

Am 9. Oktober demonstriert ein breites Bündnis der Erneuerbaren-Branche in Berlin unter dem Motto „Ausbauen statt ausbremsen!". Gefordert werden verlässliche Rahmenbedingungen für EEG, Netze und Speicher. Warum das gerade für Bürgersonnenkraftwerke in der Region wichtig ist.

Am Freitag, dem 9. Oktober 2026, um 14 Uhr demonstriert ein breites Bündnis der Erneuerbaren-Branche auf der Reichstagswiese in Berlin. Das Motto: „Erneuerbare Energien: Ausbauen statt ausbremsen!" Die Sonneninitiative unterstützt den Aufruf.

Hinter der Demonstration stehen der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), seine Spartenverbände, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen aus Wind, Solar, Bioenergie, Wasserkraft, Geothermie und Speicher. Anlass sind die anstehenden Entscheidungen des Bundestages zu EEG und Netzpaket. Gefordert werden ein verlässlicher gesetzlicher Rahmen, ein schnellerer Ausbau von Verteilnetzen und Speichern, eine europäische Herstellerindustrie und eine niedrigere Stromsteuer. Rund 436.000 Menschen arbeiten in der Branche.

Für uns ist vor allem die Planungssicherheit entscheidend: Bürgersonnenkraftwerke entstehen auf Dächern in der Region und werden von Bürgerinnen und Bürgern getragen, die über Jahre kalkulieren müssen. Häufig wechselnde Regeln treffen sie härter als große Investoren.

Der vollständige Aufruf steht unter https://www.bee-ev.de/service/veranstaltungen/event/demonstration-buendnis-erneuerbare-energie. Wer dabei sein kann, ist eingeladen mitzugehen – wer nicht, kann den Aufruf teilen.

Christian Quast 3 Min. Lesezeit Steigende Strompreise? Gemeinsam mehr Sonnenstrom erzeugen!

Steigende Strompreise? Gemeinsam mehr Sonnenstrom erzeugen!

Die Strombörse sendet Warnsignale für 2027. Gleichzeitig zeigt sich: Erneuerbare Energien können den Preisdruck dämpfen. Mit unseren Bürgersonnenkraftwerken machen wir als Sonneninitiative diese Entwicklung vor Ort möglich – gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen und Unternehmen.

Wie teuer wird Strom im kommenden Jahr? Ein aktueller Bericht von n-tv beschreibt deutlich gestiegene Preise für Stromlieferungen im Jahr 2027. Dahinter stehen höhere Gaspreise und Unsicherheit auf den Energiemärkten. Werden Gaskraftwerke zur Deckung der Nachfrage gebraucht, können ihre Kosten den Börsenstrompreis bestimmen.

Ob daraus tatsächlich Rekordpreise auf der privaten Stromrechnung entstehen, ist offen. Doch die Diskussion zeigt erneut, wie verletzlich eine Energieversorgung ist, die von fossilen Brennstoffen und internationalen Krisen abhängt.

Für uns als Sonneninitiative ist deshalb klar: Wir sollten die Möglichkeiten nutzen, die direkt vor unserer Haustür liegen. Auf Schuldächern, Gewerbehallen und kommunalen Gebäuden lässt sich Strom erzeugen, für den kein Gas importiert werden muss.

Sonne und Wind wirken bereits als Preisbremse

Wie viel erneuerbare Energien bewirken, zeigt eine Auswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE: Im Frühjahr 2026 sank der Börsenstrompreis trotz gestiegener Gaspreise. Die starke Erzeugung aus Wind und Sonne trug dazu bei. Nach Einschätzung des Instituts wäre der Börsenstrompreis im April ohne diesen hohen Beitrag der Erneuerbaren um 76 Prozent höher gewesen.

Das lässt sich nicht unmittelbar auf jede Stromrechnung übertragen. Es zeigt aber: Der Ausbau erneuerbarer Energien kann den Einfluss teurer fossiler Kraftwerke auf unsere Stromkosten verringern.

Solarenergie hat dabei einen dauerhaften Vorteil: Für ihren Betrieb muss kein Brennstoff eingekauft werden. Anlagenbau, Finanzierung und Wartung kosten Geld – die Sonnenstrahlung bleibt kostenlos. Das macht die Erzeugungskosten langfristig besser kalkulierbar. Neue große Solaranlagen gehören laut der Fraunhofer-Studie von 2024 zu den günstigsten Technologien zur Stromerzeugung in Deutschland.

Mit der Sonneninitiative selbst Teil der Lösung werden

Genau hier setzen unsere Bürgersonnenkraftwerke an. Wir entwickeln, bauen und verwalten Solarkraftwerke auf gepachteten öffentlichen und gewerblichen Gebäuden. Bürgerinnen und Bürger können sich beteiligen – auch ohne eigenes geeignetes Dach. So verbinden wir Klimaschutz mit wirtschaftlicher Teilhabe an der Energiewende.

Wo Sonnenstrom direkt im Gebäude genutzt wird, ersetzt er einen Teil des Strombezugs aus dem Netz. Für eingespeisten Strom können sich zugleich Chancen in der Direktvermarktung ergeben, wenn höhere Preise zu den solaren Erzeugungszeiten den Marktwert Solar anheben; mögliche Mehrerlöse hängen dabei vom Vertrag und der Förderung ab. (Netztransparenz, Bundesnetzagentur)

Und jede zusätzliche Anlage kann zum Klimaschutz beitragen: Ersetzt Sonnenstrom fossile Erzeugung, werden Treibhausgasemissionen vermieden. Diesen Beitrag dokumentiert das Umweltbundesamt. Zusammen mit passenden Netzen, Speichern und flexiblem Verbrauch entsteht Schritt für Schritt eine klimaverträglichere und weniger von Brennstoffimporten abhängige Stromversorgung.

Jetzt mitmachen und Sonnenstrom möglich machen

Die Strompreise von 2027 können wir heute nicht vorhersagen. Aber wir können heute Anlagen auf den Weg bringen, die über viele Jahre erneuerbaren Strom liefern.

Sie möchten sich an einem Bürgersonnenkraftwerk beteiligen? Oder verfügen Sie als Unternehmen oder Kommune über eine geeignete Dachfläche? Sprechen Sie uns an. Gemeinsam prüfen wir, welche Möglichkeiten zu Ihnen passen.

Entdecken Sie unsere Projekte oder kontaktieren Sie uns unter info@sonneninitiative.de und 06421 8096202. Machen Sie mit – bringen wir gemeinsam mehr Sonnenstrom ans Netz!

Jan Simon 3 Min. Lesezeit Energiewende & Klima Technik & Wissen

Photovoltaik überholt Atomkraft – der weltweite Strommix verändert sich

Was vor wenigen Jahren noch in weiter Ferne schien, wird Realität: Solarstrom erreicht weltweit die Größenordnung der Atomkraft. In einzelnen Monaten haben Solaranlagen bereits mehr Strom erzeugt als alle Atomkraftwerke der Welt zusammen. Und für das Gesamtjahr 2026 zeichnet sich ab, dass die Photovoltaik auch aufs Jahr gerechnet vorbeizieht.

Ein bemerkenswerter Vergleich

Noch 2015 erzeugten Solaranlagen weltweit gerade einmal 256 Terawattstunden Strom – Atomkraftwerke lieferten damals rund zehnmal so viel. Nur zehn Jahre später sieht das Bild völlig anders aus.

Nach dem „Global Electricity Review 2026“ des Thinktanks Ember stieg die weltweite Solarstromerzeugung 2025 um 30 Prozent auf 2.778 Terawattstunden. Die Atomkraft kam auf rund 2.812 Terawattstunden. Aufs ganze Jahr gerechnet fehlte der Photovoltaik damit nur noch gut ein Prozent. Zugleich zog Solarstrom 2025 erstmals an der Windenergie vorbei.

Noch deutlicher wird die Entwicklung im Monatsvergleich: Im April 2025 erzeugten Solaranlagen weltweit erstmals mehr Strom als Atomkraftwerke – und blieben bis in den September hinein darüber. Damit ist eine Marke erreicht, die vor wenigen Jahren kaum jemand so früh erwartet hätte.

2026 dürfte Solar auch aufs Jahr gerechnet vorbeiziehen

Entscheidend ist allerdings nicht ein einzelner sonniger Monat, sondern die Entwicklung über das gesamte Jahr – und auch hier zeichnet sich der nächste Schritt bereits ab.

Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet für 2026 mit einem weiteren Zuwachs der weltweiten Solarstromerzeugung um rund 600 Terawattstunden. In ihrem aktuellen Bericht geht sie davon aus, dass die Photovoltaik 2026 sowohl die Windkraft als auch die Atomkraft bei der weltweiten Stromerzeugung überholt. Zur selben Einschätzung kommt Ember.

Bemerkenswert ist vor allem das Tempo: Allein der zusätzliche Solarstrom deckte 2025 nach Berechnungen der IEA rund 70 Prozent des weltweit gestiegenen Stromverbrauchs. Ember kommt auf einen ähnlichen Wert: Drei Viertel des zusätzlichen Strombedarfs wurden durch das Wachstum der Solarenergie gedeckt.

Solarenergie wird zur tragenden Säule

Der Vergleich mit der Atomkraft zeigt vor allem eines: wie grundlegend sich die weltweite Stromversorgung gerade verändert. Dabei geht es weniger um einen Wettbewerb zweier CO₂-armer Technologien als um das enorme Tempo, in dem sich Photovoltaik ausbauen lässt.

Solaranlagen entstehen auf Wohnhäusern, Gewerbehallen und kommunalen Gebäuden ebenso wie auf Freiflächen und Parkplätzen. Diese Vielfalt macht einen Ausbau möglich, der den globalen Strommix inzwischen spürbar verändert.

Ende 2025 waren weltweit rund 2.800 Gigawatt Photovoltaikleistung installiert. Damit war Solar nach Angaben der IEA die Stromerzeugungstechnologie mit der weltweit größten installierten Leistung.

Für die Energiewende ist das eine gute Nachricht – und zugleich eine neue Aufgabe. Je mehr Solarstrom erzeugt wird, desto schneller müssen Netze, Speicher, flexible Verbraucher und intelligente Steuerung mitwachsen. Denn künftig geht es nicht mehr allein darum, möglichst viele Photovoltaikanlagen zu bauen, sondern zunehmend darum, die großen Mengen günstigen Solarstroms zur richtigen Zeit sinnvoll zu nutzen.

Genau darin liegt die nächste Phase der Energiewende: Die Photovoltaik entwickelt sich von einer ergänzenden Technologie zu einer tragenden Säule der weltweiten Stromversorgung.


Quellen: International Energy Agency (IEA): Electricity 2026 und Global Energy Review 2026 Ember: Global Electricity Review 2026 World Nuclear Industry Status Report 2025

Jan Simon 3 Min. Lesezeit Energiewende & Klima Politik & Recht

Über eine Milliarde Dollar fürs Nicht-Bauen: Was der RWE-Deal in den USA über die Energiewende lehrt

Es klingt absurd, ist aber offizielle Regierungspolitik: Die USA zahlen dem Essener Energiekonzern RWE rund 1,22 Milliarden Dollar – umgerechnet etwa eine Milliarde Euro – dafür, dass er seine geplanten Offshore-Windparks vor den amerikanischen Küsten nicht baut. Anfang August wurde die Vereinbarung bekannt. Für die Energiewende in den USA ist das ein herber Rückschlag. Und für uns in Deutschland eine Erinnerung daran, wie wertvoll eine Energiewende ist, die auf vielen Schultern ruht.

Was ist passiert?

RWE hatte sich Pachtflächen für Windparks vor den Küsten von New York, Kalifornien und Louisiana gesichert und nach eigenen Angaben bereits mehr als eine Milliarde Dollar in Pacht und Projektentwicklung investiert. Auf den Flächen hätten Windräder mit einer Leistung von rund sieben Gigawatt entstehen können – genug Strom für mehr als fünf Millionen Haushalte.

Daraus wird nun nichts. Die US-Regierung unter Präsident Trump, der die Windkraft seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 per Dekret bekämpft, kauft dem Konzern die Pachtrechte ab. Es ist nicht der erste Deal dieser Art: Mit ähnlichen Vereinbarungen unter anderem mit TotalEnergies und Invenergy hat die Regierung inzwischen fast vier Milliarden Dollar an Steuergeld dafür aufgewendet, dass Windparks nicht gebaut werden. Innenminister Doug Burgum begründet den Kurs damit, Windkraft sei zu abhängig von Subventionen – während gleichzeitig Milliarden an Entschädigungen fließen.

Die Folgen sind messbar: Das Analysehaus BloombergNEF erwartet für die USA bis 2035 nur noch rund sechs Gigawatt Offshore-Windleistung. Noch 2024 lag die Prognose bei 39 Gigawatt. RWE selbst investiert das Geld nun in Gasinfrastruktur in den USA.

Warum uns das etwas angeht

Man kann diese Nachricht als amerikanische Kuriosität abtun. Sie zeigt aber etwas Grundsätzliches: Große, zentrale Energieprojekte hängen am Wohlwollen der jeweiligen Regierung. Ein einzelner politischer Kurswechsel kann Milliardeninvestitionen stoppen – und mit ihnen den Klimaschutz, die Versorgungssicherheit und die Strompreise von Millionen Menschen.

Eine Energiewende, die vielen gehört, ist dagegen deutlich robuster. Tausende Photovoltaikanlagen auf Dächern von Schulen, Gewerbehallen und Wohnhäusern lassen sich nicht mit einem Federstrich abschaffen. Sie erzeugen Strom dort, wo er gebraucht wird, die Wertschöpfung bleibt in der Region, und die Anlagen gehören den Bürgerinnen und Bürgern selbst – nicht einem Konzern, der seine Investitionen je nach politischer Großwetterlage umschichtet. Genau das ist die Idee der Bürgersonnenkraftwerke: viele Menschen, viele Dächer, viele kleine Kraftwerke, die zusammen Großes bewirken.

Die Energiewende selbst in die Hand nehmen

Die gute Nachricht lautet deshalb: Niemand muss darauf warten, dass Regierungen oder Konzerne die Energiewende voranbringen. Die Sonneninitiative e.V. entwickelt seit vielen Jahren Bürgersonnenkraftwerke, an denen sich Bürgerinnen und Bürger direkt beteiligen können. Jede einzelne Anlage macht die Stromversorgung ein Stück dezentraler, demokratischer – und unabhängiger von politischen Wendungen, wie sie derzeit in den USA zu besichtigen sind.

Wer sich an einem Bürgersonnenkraftwerk beteiligen oder ein Dach zur Verfügung stellen möchte, findet alle Informationen auf unserer Webseite oder nimmt direkt Kontakt mit uns auf: [bitte ergänzen: Kontaktdaten/Link].


Quellen: Der Spiegel: „USA zahlen über eine Milliarde Dollar, damit RWE keine Windparks baut" (August 2026) Berichte von Handelsblatt, KPBS/AP und Cleanthinking zur Vereinbarung zwischen dem US-Innenministerium und RWE (August 2026)

Mehr entdecken?

Durchsuchen Sie unser vollständiges Archiv mit über 1.400 Artikeln zu Bürgerenergie, Photovoltaik und erneuerbaren Energien.

/