Der Irankrieg entlarvt den Irrweg – Warum nur Erneuerbare echte Energiesicherheit bieten
Es ist März 2026, und Deutschland steckt erneut in einer Energiekrise. Seit Ende Februar bombardieren die USA und Israel den Iran, der mit Vergeltungsschlägen gegen die gesamte Golfregion antwortet. Die Straße von Hormus – durch die rund ein Fünftel des weltweiten Rohöls fließt – ist faktisch blockiert. Der Ölpreis ist auf über 100 Dollar pro Barrel geschossen, die europäischen Gasmärkte verzeichnen die größten Tagessprünge seit Jahren. Für die deutsche Wirtschaft ist das der nächste Schock, kaum vier Jahre nach der russischen Gaskrise.
Und mitten in dieser Krise wird überdeutlich: Die Energiepolitik von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche führt Deutschland nicht aus der Abhängigkeit heraus – sie zementiert sie.
Gas statt Sonne
Reiche setzt auf den massiven Neubau von Gaskraftwerken und hat Ausschreibungen für 12 Gigawatt neue Kapazität angekündigt – Gaskraftwerke zuerst. Gleichzeitig plant ihr Ministerium, die Einspeisevergütung für neue Photovoltaik-Anlagen bis 25 Kilowatt komplett zu streichen. Privatpersonen und Bürgerenergiegemeinschaften sollen ihren Solarstrom künftig selbst an der Börse vermarkten – ein Modell, das für die meisten schlicht nicht umsetzbar ist.
Der Bundesverband Solarwirtschaft nennt das einen Frontalangriff auf die Energiewende. Hunderte Unternehmen haben innerhalb eines Tages einen Appell gegen diese Politik unterzeichnet. Selbst der Koalitionspartner SPD kritisiert den Kurs scharf.
Dieselbe Lektion, zum dritten Mal
Das Muster ist erschreckend vertraut: 2022 zeigte der Ukrainekrieg, wie fatal die Abhängigkeit von russischem Gas war. Jetzt wiederholt sich die Geschichte mit anderen Akteuren. Die Straße von Hormus ist die Achillesferse der globalen Energieversorgung – und wer in dieser Lage auf Gaskraftwerke setzt und gleichzeitig die Bürgersolarenergie abwürgt, hat die Lektion nicht gelernt.
Sonne und Wind müssen nicht importiert werden. Sie fließen nicht durch Meerengen, die ein Regime blockieren kann. Sie werden nicht von Pipelinesprengungen unterbrochen. Über 100 Gigawatt PV-Leistung sind in Deutschland bereits installiert, Erneuerbare liefern fast 60 Prozent unseres Stroms. Das ist eine Erfolgsgeschichte – die Reiche nun gefährdet.
Die Rechnung geht nicht auf
Reiche argumentiert mit den Kosten: 22 Milliarden Euro habe die EEG-Förderung 2024 gekostet. Das klingt viel – bis man es den rund 81 Milliarden Euro gegenüberstellt, die Deutschland jährlich für fossile Energieimporte ausgibt. Jede Krise treibt diese Summe weiter in die Höhe. Die Einspeisevergütung hingegen sinkt mit jeder Anlagengeneration und sichert 20 Jahre verlässlichen Strom – ohne Preisschocks, ohne geopolitische Erpressbarkeit.
Besonders fatal: Ohne Einspeisevergütung lohnt sich eine Solaranlage nur noch für Haushalte, die fast ihren gesamten Strom selbst verbrauchen – also für Besitzer großer Häuser mit Wärmepumpe, Speicher und E-Auto. Die Energiewende wird zum Projekt für Wohlhabende. Alle anderen bekommen die Botschaft: Mitmachen lohnt sich nicht mehr.
Es gibt nur einen Weg
Der Irankrieg ist der dritte Weckruf innerhalb weniger Jahre. Es gibt keine sichere fossile Lieferkette, keine stabile Gaspipeline, kein verlässliches LNG-Terminal, das vor den Auswirkungen eines Krieges geschützt wäre. Der einzige Weg in eine tatsächlich sichere Energieversorgung führt über den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien – gerade auch der dezentralen Bürgerenergie, die Reiche mit ihrer EEG-Reform zu ersticken droht.
Was Deutschland jetzt braucht, ist nicht weniger Förderung für Solar, sondern mehr: mehr Dachanlagen, mehr Bürgersonnenkraftwerke, mehr Speicher, mehr Engagement der Bürgerinnen und Bürger für ihre eigene Energieunabhängigkeit. Katherina Reiches Kurs – Gas statt Sonne, Großkonzerne statt Bürgerenergie – ist ein Irrweg. Die aktuelle Krise beweist es.
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