Sonneninitiative
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Wenn Planlosigkeit als gute Idee verkauft wird, entsteht genau die Situation, die wir heute erleben.

Verwirrte Signale aus einem Berliner Ministerium

Ein Déjà-vu für die Energiewende
Die Diskussion über die Energiewende läuft derzeit auf Hochtouren. Wirtschaftsministerin Katharina Reiche setzt auf den Bau neuer Gaskraftwerke – ein Schritt, der fatal an die Vergangenheit erinnert. Denn schon von 2009 bis 2013 war Frau Reiche als Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium an den Entscheidungen beteiligt, die zur sogenannten „Altmaier-Delle“ führten: einem deutlichen Einbruch beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. In dieser Zeit wurde nicht nur der Ausbau der Solarenergie massiv gebremst – es ging auch die damals weltweit führende Solarindustrie in Deutschland verloren. Tausende Arbeitsplätze wurden vernichtet, die Produktion verlagerte sich nach China, und heute müssen wir unsere einst selbst entwickelte Technik teuer aus Asien zurückkaufen. Nun droht die Geschichte, sich zu wiederholen.

Falsche Lastenverteilung
Geplant ist, fossile Kraftwerke zu bauen und gleichzeitig den Erneuerbaren Energien erneut die Hauptlast der Netzausbaukosten aufzubürden. Diese unfaire Lastenverteilung bremst den Fortschritt, statt ihn zu fördern. Der Ausbau der Energieinfrastruktur ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – vergleichbar mit Straßen oder Schienen – und muss daher aus allgemeinen Mitteln finanziert werden.
Oft wird argumentiert, dass Erneuerbare den Netzausbau erforderlich machen und daher stärker zahlen müssten. Doch dabei wird vergessen: Fossile Energieträger haben jahrzehntelang massive externe Kosten verursacht – von Luftverschmutzung über Gesundheitsschäden bis zu den enormen Klimafolgen. Diese Kosten trug nie die fossile Industrie, sondern stets die Allgemeinheit. Heute dagegen werden Wind- und Solarstrom kontinuierlich günstiger. Viele Photovoltaikanlagen liefern nach dem Ende der EEG-Förderung bereits nahezu kostenlosen Strom. Dieser Effekt wird sich durch den wachsenden Bestand an Post-EEG-Anlagen weiter verstärken.

Zukunft braucht Speicher – nicht fossile Abhängigkeiten
Anstatt Milliarden in neue fossile Abhängigkeiten zu lenken, braucht es Investitionen in Speichertechnologien, intelligente Netze und flexible Steuerungssysteme. Nur so können die Erneuerbaren ihre volle Stärke entfalten. Wer stattdessen auf Gas setzt, macht Deutschland wieder zum Energieimporteur – und verpasst die Chance auf eine wirklich unabhängige und klimafreundliche Versorgung.

Kostenwahrheit einfordern
Die viel beschworenen „Kostenexplosionen“ haben wir in der Vergangenheit bei den fossilen Energieträgern erlebt. Erneuerbare Energien hingegen werden immer günstiger. Atomkraft ist nur durch massive Subventionen überhaupt konkurrenzfähig – die realen Kosten für Entsorgung, Sicherheit und Folgeschäden werden ausgeblendet. Hinzu kommt eine neue Abhängigkeit: Ein Großteil des Urans kommt aus Russland. Wer also heute Atomenergie als Ausweg propagiert, tauscht nur eine Importabhängigkeit gegen eine andere.

Orientierungslosigkeit der Politik
Im Austausch mit Stadtwerken und Netzbetreibern hören wir immer wieder denselben Wunsch: Endlich eine klare Linie für den Ausbau der Erneuerbaren! Doch aktuell fehlt eine konsistente Strategie. Statt mutige Schritte nach vorn zu gehen, setzt die Politik auf Rückschritte in alte Denkmuster – und macht sich damit erneut abhängig von fossilen Energieträgern.

Fazit
Die Energiewende kann nur gelingen, wenn wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen:

  • Netzausbau als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreifen.
  • Speicher, Netze und Steuerungstechnologien entschlossen voranbringen.
  • Erneuerbare Energien als Rückgrat unserer künftigen Energieversorgung stärken.

Nur so schaffen wir eine sichere, unabhängige und bezahlbare Energiezukunft – und verhindern, dass sich Fehler der Vergangenheit wiederholen.

„Wie planlos die aktuelle Regierung in Energiefragen agiert, zeigt auch dieses Interview aus dem ZDF-Morgenmagazin vom 22.08.2025 mit dem energiepolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Andreas Lenz (CSU).“

https://www.zdfheute.de/video/zdf-morgenmagazin/andreas-lenz-100.html