Steuergeld gegen Windräder
In den USA erreicht der politische Kampf gegen erneuerbare Energien eine neue Stufe. Die Regierung hat Vereinbarungen mit den Unternehmen Bluepoint Wind und Golden State Wind geschlossen. Beide Unternehmen sollen ihre Offshore-Wind-Leases aufgeben. Gleichzeitig sollen verbundene Unternehmen in sogenannte „konventionelle Energieprojekte“ investieren – also in klassische Energieinfrastruktur statt in Windkraft.
Das bestätigt nicht nur die Presse, sondern auch das US-Innenministerium selbst. In seiner Mitteilung spricht das Ministerium davon, dass Bluepoint Wind und Golden State Wind ihre Offshore-Wind-Leases freiwillig beenden und dass verbundene Unternehmen Investitionen in konventionelle Energieprojekte tätigen sollen.
Nach Angaben von Reuters geht es dabei um insgesamt 885 Millionen US-Dollar: 765 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit Bluepoint Wind und 120 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit Golden State Wind. Auch Associated Press berichtet, dass die Unternehmen im Gegenzug ihre Offshore-Windprojekte aufgeben und keine neuen Offshore-Windprojekte in den USA verfolgen sollen.
Das ist bemerkenswert. Denn wenn Windkraft tatsächlich so chancenlos und unwirtschaftlich wäre, wie ihre Gegner seit Jahren behaupten, müsste man sie nicht mit politischen Deals aus dem Markt drängen. Dann würden solche Projekte von allein scheitern. Stattdessen wird aktiv nachgeholfen: Geld und Investitionen fließen nicht in den Ausbau sauberer Energie, sondern in deren Verhinderung.
Es handelt sich dabei offenbar nicht um einen Einzelfall. Bereits im März 2026 hatte TotalEnergies einen ähnlichen Deal mit dem US-Innenministerium bestätigt. Das Unternehmen beendet seine US-Offshore-Windprojekte. Im Gegenzug sollen gezahlte Lease-Gebühren erstattet werden, während TotalEnergies einen entsprechenden Betrag in US-Gas-, Öl- und LNG-Projekte investiert.
Besonders absurd ist dabei, wer am Ende die Rechnung zahlt: die Bürgerinnen und Bürger. Öffentliche Einnahmen, die eigentlich für den Staat und damit für die Allgemeinheit zur Verfügung stehen könnten, werden eingesetzt, um den Ausstieg aus sauberen Energieprojekten zu ermöglichen. Gleichzeitig bleiben fossile Strukturen länger erhalten – mit all den bekannten Folgen: größere Abhängigkeit, stärkere Preisschwankungen und langfristig höhere Energiekosten.
Die Menschen zahlen damit doppelt. Zuerst über öffentliche Mittel, wenn der Rückzug aus Windenergieprojekten politisch ermöglicht wird. Und später noch einmal über ihre Strom-, Heiz- und Mobilitätskosten, weil günstige erneuerbare Energie fehlt und fossile Abhängigkeiten künstlich verlängert werden. Aus öffentlichem Geld wird so eine Unterstützung für Unternehmen, die der Allgemeinheit anschließend wieder Rechnungen stellen.
Der Vorgang zeigt, worum es in der energiepolitischen Auseinandersetzung wirklich geht. Es geht nicht nur um Kosten, Versorgungssicherheit oder Technologieoffenheit. Es geht auch um alte Geschäftsmodelle, politische Macht und die Frage, wer künftig an Energie verdient.
Wind- und Solarenergie setzen sich nicht deshalb durch, weil sie ideologisch gewollt sind. Sie setzen sich durch, weil sie immer häufiger die wirtschaftlich sinnvollere Lösung sind: dezentral, sauber, langfristig kalkulierbar und unabhängig von fossilen Preisschwankungen.
Gerade deshalb werden sie so heftig bekämpft. Wenn der Staat politische und finanzielle Anreize schafft, um erneuerbare Energieprojekte zu stoppen und Investitionen zurück in fossile Strukturen zu lenken, ist das kein Zeichen der Schwäche der Erneuerbaren. Es ist ein Zeichen ihrer Stärke.
Die Zukunft liegt nicht darin, alte fossile Strukturen künstlich zu verlängern. Die Zukunft liegt in sauberer, bezahlbarer und unabhängiger Energie – aus Sonne, Wind und Bürgerbeteiligung.
Quellen:
- US Department of the Interior: „Interior Announces Two Historic Agreements to Promote Affordable, Reliable Energy“
https://www.doi.gov/pressreleases/interior-announces-two-historic-agreements-promote-affordable-reliable-energy
- Reuters: „US to end more offshore wind leases in exchange for fossil fuel investments“
https://www.reuters.com/business/energy/us-reaches-deal-end-two-more-offshore-wind-leases-2026-04-27/
- Associated Press: „Trump administration to pay 2 more companies to walk away from US offshore wind leases“
https://apnews.com/article/02a1fa04b750809bbe035a70256c734d
- TotalEnergies: „United States: TotalEnergies Signs Agreements with U.S. Department of Interior to End its U.S. Offshore Wind Projects“
https://totalenergies.com/news/press-releases/united-states-totalenergies-signs-agreements-us-department-interior-end-its-us
- Reuters: „TotalEnergies abandons US offshore wind, will invest $1 billion in oil and gas“
https://www.reuters.com/business/energy/ceraweek-us-totalenergies-shift-1-billion-wind-oil-gas-2026-03-23/
- taz: „US-Regierung bezahlt Unternehmen fürs Canceln von Windparks“
https://taz.de/US-Regierung-bezahlt-Unternehmen-fuers-Canceln-von-Windparks/!6174615/