Sonne und Wind schicken keine Krisenrechnung
Wenn internationale Konflikte eskalieren, dauert es oft nicht lange, bis die Folgen an der Tankstelle sichtbar werden. Benzin, Diesel, Heizöl und Gas reagieren empfindlich auf politische Unsicherheit, Lieferkettenprobleme und steigende Weltmarktpreise. Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: Energie wird plötzlich wieder teurer – ohne dass sie selbst darauf Einfluss hätten.
Genau darin liegt das Grundproblem fossiler Energien. Öl und Gas müssen importiert, transportiert und auf internationalen Märkten eingekauft werden. Wer davon abhängig ist, ist auch abhängig von Krisen, Spekulation und geopolitischen Interessen. Jede neue Unsicherheit kann sich direkt in höheren Preisen niederschlagen.
Beim Strom zeigt sich ein anderes Bild. Natürlich ist auch der Strommarkt nicht vollständig unabhängig von fossilen Energien. Noch immer können Gas- und Kohlekraftwerke in bestimmten Stunden den Preis beeinflussen. Doch je mehr Strom aus Sonne und Wind erzeugt wird, desto geringer wird diese Abhängigkeit. Erneuerbare Energien brauchen keinen Brennstoff, der täglich neu eingekauft werden muss. Die Sonne schickt keine Rechnung, der Wind verlangt keinen Risikoaufschlag.
Gerade jetzt wird sichtbar, welchen praktischen Nutzen die Energiewende hat. Sie ist nicht nur Klimaschutz, sondern auch Schutz vor fossilen Preisschocks. Jede Kilowattstunde Solarstrom ersetzt Energie, die sonst aus Kohle, Gas oder Öl stammen müsste. Und jede Anlage auf einem Dach, an einer Fassade oder auf einer geeigneten Fläche macht uns ein Stück unabhängiger.
Besonders deutlich wird das bei Menschen, die bereits umgestiegen sind. Wer heute mit dem E-Auto fährt, mit einer Wärmepumpe heizt und Strom aus erneuerbaren Energien nutzt, ist von den aktuellen Preissprüngen bei Öl, Benzin, Diesel und Gas deutlich weniger betroffen. Die Tankstelle und der Heizöltank bestimmen nicht mehr die eigene Kostenrechnung. Natürlich ist auch Strom nicht kostenlos. Aber Strom aus Sonne und Wind ist wesentlich berechenbarer als fossile Energie, deren Preis von Krisenregionen, Förderländern und internationalen Märkten abhängt.
Umso fragwürdiger ist es, wenn die Politik in solchen Situationen erneut fossile Energien subventioniert. Ein Tankrabatt mag kurzfristig entlasten, vor allem Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind. Doch er löst das eigentliche Problem nicht. Im Gegenteil: Er hält die Abhängigkeit von Benzin und Diesel künstlich am Leben und kostet zugleich Steuergeld. Bürgerinnen und Bürger zahlen damit doppelt: erst über den Staatshaushalt für die Entlastung an der Zapfsäule – und später weiter über hohe Energiekosten, weil sich an der fossilen Abhängigkeit nichts ändert.
Eine nachhaltige Antwort auf steigende Energiepreise kann deshalb nicht darin bestehen, fossile Energien immer wieder billiger zu machen. Die bessere Antwort ist, weniger fossile Energie zu brauchen. Das gelingt durch mehr erneuerbaren Strom, durch effiziente Wärmepumpen, durch Elektromobilität und durch regionale Energieprojekte, an denen Bürgerinnen und Bürger selbst beteiligt sind.
Genau hier setzen Bürgersonnenkraftwerke an. Sie erzeugen Strom dort, wo er gebraucht wird: auf kommunalen Gebäuden, Unternehmen, Wohnhäusern und geeigneten Flächen. Die Investition kommt aus der Bürgerschaft, der Nutzen bleibt vor Ort. Kommunen, Betriebe und Mieterinnen und Mieter können langfristig von sauberem und kalkulierbarem Strom profitieren. Gleichzeitig fließt weniger Geld in fossile Importe und mehr Wertschöpfung bleibt in der Region.
Jedes Bürgersonnenkraftwerk ist deshalb mehr als eine Photovoltaikanlage. Es ist ein Stück Unabhängigkeit. Es schützt das Klima, senkt langfristig Energiekosten und macht deutlich: Wir sind den fossilen Märkten nicht hilflos ausgeliefert. Wir können Energie selbst erzeugen – sauber, regional und krisenfester.
Die nächste Energiekrise kommt bestimmt, solange wir an Öl und Gas hängen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie hoch der nächste Tankrabatt ausfallen muss. Die entscheidende Frage ist, wie schnell wir dafür sorgen, dass wir ihn nicht mehr brauchen.