Marburg Georg-Gaßmann-Stadion
Damals, in der guten alten PV-Zeit, war es eine der größten Photovoltaikanlagen in der Stadt, das Bürgersonnenkraftwerk Georg-Gaßmann-Stadion. Ganze 31 Kilowatt peak (Spitzenleistung) passten auf das architektonisch außergewöhnliche Scheddach der Sporthalle der Kaufmännischen Schulen Marburg. Eine besondere Herausforderung für den Verein, denn rechteckige Module passen erst einmal nicht so gut auf dreieckige Dächer. Ein Problem, dass der Verein schon damals mit moderner Visualisierungstechnik löste.
Beim insgesamt dritten Projekt der jungen Sonneninitiative war noch „selbst anfassen“ angesagt. Bei subtropischer Hitze auf dem glühend heißen Kupferblechdach musste man früh aufstehen, wollte man nicht in der Mittagszeit verkochen. Nach knapp zwei Wochen waren die Arbeiten auf dem Dach abgeschlossen. Für die Verkabelung der Module hatte sich Elektriker Manfred Peschke etwas Besonderes einfallen lassen: Über sogenannte Sammelschienen wurde der Gleichstrom auf viele Wechselrichter gleichzeitig verteilt. Diese wechseln sich dann je nach Last mit ihrer Arbeit ab.
Das war damals eine gute Entscheidung, denn durch den politisch gewollten Niedergang der Photovoltaik ist Jahre später der Hersteller der Wechselrichter, die Firma Aixcon, in die Insolvenz gegangen. Durch das automatische Abwechseln der Aggregate war der Verschleiß bei den Geräten deutlich geringer, wenn ein Gerät tatsächlich einmal ausgefallen war, führte das kaum zu Einbußen. Von den Aixcon-Wechselrichtern hat der Verein inzwischen einen kleinen Vorrat zum Austausch gesammelt.
Wegen seiner steilen Ausrichtung ist das Bürgersonnenkraftwerk Georg-Gaßmann-Stadion im Winter stets die beste Anlage und führt das Ranking der über 150 Anlagen (Stand 2/2014) an. Sonnenstrom für 155.000 Euro hat die Anlage bisher produziert. Die Baukosten von seinerzeit rd. 165.000 Euro sind also wahrscheinlich noch vor Ablauf des 11. Produktionsjahres im August 2015, also ein halbes Jahr früher als erwartet (s. Grafik), wieder eingespielt. Dann beginnt für die Sonnenfreunde der ersten Stunde die wirkliche Ernte: Kostenloser Sonnenstrom aus einer voll amortisierten Anlage, „denn die Sonne schickt keine Rechnung“.