Sonneninitiative
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Kann Atomkraft das Klima schützen und eine unabhängige Versorgungssicherheit herstellen?

Ist Atomkraft die Lösung?

Wollte man mithilfe von Atomkraftwerken einen effektiven Klimaschutzbeitrag leisten, müsste die Atomkraft weltweit massiv und sehr schnell ausgebaut werden. Das geht aber nicht. Die Planungs- und Bauzeiten eines Atomkraftwerks sind sehr lang. Die sich im Juli 2021 weltweit in Bau befindlichen 53 Reaktoren waren im Schnitt bereits sieben Jahre im Bau. Die Inbetriebnahmen sind unklar, es gibt große Verzögerungen. Zwischen Baubeginn und Netzanschluss der von 2011 bis 2020 in Betrieb genommenen Anlagen vergingen im Schnitt zehn Jahre.

Weltweit liefern über 400 Atomkraftwerke in 33 Ländern nur rund 10 Prozent der Stromerzeugung. Die Gesamtzahl der in Betrieb befindlichen AKW ist trotz einiger Neubauten in den letzten 20 Jahren stabil geblieben. Ihr Anteil an der globalen Stromerzeugung ist in diesem Zeitraum von 17 auf 10 Prozent gesunken.

Die meisten AKW-Neubauten entfallen auf China und Indien, in Zentral- und Westeuropa sind die prominentesten Beispiele für Neubauten Olkiluoto in Finnland, Flamanville in Frankreich und Hinkley Point C in Großbritannien. Alle drei zeichnen sich durch massive Verzögerungen und Kostensteigerungen aus.

Der Bau von Olkiluoto begann im Jahr 2005, die Inbetriebnahme ist momentan für September 2022 angekündigt. Ähnlich in Flamanville: Baubeginn war 2007, im Januar 2022 verkündete der französische Energiekonzern EDF eine weitere Verzögerung der Inbetriebnahme auf Mitte 2023, bei gleichzeitiger Kostensteigerung auf 12,7 Milliarden Euro. Ursprünglich sollte der Neubau 2012 ans Netz gehen und 3,4 Milliarden Euro kosten, inzwischen rechnet man mit 19 Milliarden Euro.

Die Atomenergie wird in den für die Bekämpfung der Klimakrise entscheidenden nächsten 10 bis 20 Jahren keine Rolle spielen können und erst recht nicht für die kurzfristige Erhöhung der Versorgungssicherheit und stärkere Unabhängigkeit von Energieimporten mit Blick auf Russland. Europas einzige verbliebene Uranabbaustätten sind zudem ausgerechnet in Kasachstan, Russland und der Ukraine. Außerdem ist Uran eine endliche Ressource und kann nicht unbegrenzt ausgebeutet werden.

Atomkraft ist weder klimaneutral noch umweltfreundlich. Zwar verursacht die Stromerzeugung in einem Atomkraftwerk keinen direkten CO2-Ausstoß, die vor- und nachgelagerten Prozesse jedoch sehr wohl. Die Emissionen entstehen beim Uranabbau, dessen Transport, der weiteren Verarbeitung zu Brennelementen, dem Kraftwerksbau und -rückbau bis hin zur Zwischenlagerung der radioaktiven Abfälle. Da es weltweit noch keine Erfahrungen mit funktionierenden Endlagern gibt, sind besonders die hiermit verbundenen Umweltbelastungen schwer abzuschätzen.

Der Weltklimarat IPCC geht in seinem Bericht von 2014 von bis zu 110 Gramm CO2-Äquivalenten pro Kilowattstunde (kWh) Atomstrom aus. Im Vergleich zu fossilen Energieträgern, die bei der Stromerzeugung einen Treibhausgasausstoß im Umfang von etwa 430-490 g CO2-Äqu./kWh (Erdgas) oder 1.050-1.140 g CO2– Äqu./kWh (Braunkohle) aufweisen, ist die Atomkraft damit zwar klimafreundlicher. Die erneuerbaren Energien sind da aber ganz anders. Die Emissionsfaktoren für Photovoltaikanlagen je nach Technik und Standort liegen bei etwa 20 bis maximal 60 g CO2– Äqu./kWh, bei Windkraftanlagen sind es nur 7 bis 11 g CO2– Äqu./kWh.

Wie auch in Kohlekraftwerken sind in Atomkraftwerken große Mengen an Wasser zur Kühlung nötig. Deshalb wurden AKW an großen Flüssen wie Isar und Elbe gebaut. Bei hohen sommerlichen Temperaturen muss der Betrieb aber gedrosselt werden, da sich die Flüsse sonst zu stark erwärmen und dadurch Fauna und Flora Schaden nehmen. Frankreich leidet aktuell unter starker Sommerhitze (es wird nicht die letzte sein) und muss seine vielen AKW drosseln oder abschalten. Frankreich bekam bisher rund 70 Prozent seines Stroms aus eigener Atomkraft, nun muss dort Strom aus Nachbarländern importiert werden. Sieht so Versorgungssicherheit aus?

Die Lösung kann daher nur im schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien liegen. 2020 lag der Anteil der Erneuerbaren an der neu installierten Leistung zur Stromerzeugung global bei 83 Prozent und ihr Beitrag zur weltweiten Stromerzeugung bei 29 Prozent. Die Entwicklung geht also in die richtige Richtung, muss aber noch stärker vorangetrieben werden, um effektiven Klimaschutz zu gewährleisten.

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