Wetter neu bewerten, Energiewende beschleunigen

Dürre, Hitze, Waldbrände, Überflutungen, Stürme und andere Wetterextreme fordern eine Neubewertung der Zusammenhänge.

Wetter wirkt sich auf unterschiedliche Bereiche komplex aus, auf Gesellschaft, Wirtschaft, Gesundheit, Nahrungsproduktion usw. Wetterereignisse können durch vielschichtige sozioökonomischen Verflechtungen noch weitere Schäden verursachen. Um betroffene Regionen anpassungsfähiger zu machen, sind systemische Risikobewertungen und Maßnahmen nötig.

Fast die Hälfte Europas ist aktuell von Dürre bedroht. Die Gefahr von Dürre hat besonders in Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Rumänien, Ungarn, Serbien, der Ukraine, Moldau, Irland und Großbritannien zugenommen.

Der Sommer 2022 brachte einige Rekorde hervor: Am 20. Juli 2022 wurden in Hamburg-Neuwiedenthal unglaubliche 40,1°C gemessen. Drei größere Hitzewellen gab es in diesem Sommer: Am 18. und 19. Juni mit 39,2°C in Cottbus und Dresden-Strehlen, dann vom 18. bis 20. Juli, als selbst in Rostock, Hohwacht und Boltenhagen (alles Orte an der sonst kühlen Ostseeküste) Höchsttemperaturen um 38°C herrschten, und schließlich der 3. und 4. August, als das Thermometer in Bad Kreuznach auf 39,6°C kletterte.

Um besser zu verstehen, welche Folgen klimatischen Extreme auslösen, haben Forschende des Geografischen Instituts der Universität Zürich (UZH) acht extreme Hitze- und Dürreereignisse in Europa, Australien und Afrika in den letzten 20 Jahren analysiert. „Sehr erheblich können etwa die finanziellen Verluste sein“, so Laura Niggli, Erstautorin der Studie, „sie reichen in den untersuchten Fällen von mehreren hundert Millionen bis zu mehreren Milliarden US-Dollar“.

Kaskadenartige, sich gegenseitig verstärkende Auswirkungen, die sich in zahlreichen Sektoren ausbreiten, können weitreichende Folgen haben. „Gleichzeitige Wetterextreme sind potenziell in der Lage, ganze gesellschaftlich relevante Systeme, etwa den Welthandel, zu destabilisieren“, betont Niggli.

Gemäß dem Forschungsteam sind dazu nicht nur stärkere Anstrengungen und Investitionen in die Anpassung an Wetterextreme erforderlich. Es braucht zwingend auch eine sektorübergreifende und vermehrt internationale Zusammenarbeit. Denn wenn das Klima wärmer wird, werden extreme Wetterereignisse häufiger, intensiver und länger. Damit werden sie zum wachsenden Risiko für die Gesellschaft.

Es ist offensichtlich: Nicht nur die Neubewertung von Wetterereignissen ist nötig, sondern vorallem die sehr deutliche Beschleunigung des Ausbaus der erneuerbaren Energien. Nur damit können wir einen positiven Einfluss auf den Klimawandel nehmen und Extremwetterereignisse bremsen. Dabei ist das Engagement aller Menschen gefordert – hier und weltweit.


Quellen:

Deutscher Wetterdienst
news.uzh.ch/Extremereignisse
vdi-nachrichten.com/risiken-durch-extreme-ereignisse-wie-hitze-und-duerre-muessen-systematisch-zusammen-bewertet-werden