Welche Folgen hat der Krieg fürs Klima?

Wie viel Treibhausgase infolge des russischen Kriegs gegen die Ukraine bereits freigesetzt wurden, weiß man nicht. Es gibt aber Schätzungen, wie klimaschädlich frühere Kriege waren.

Raketen, Kampfjets und Panzer: Was für die Menschen in der Ukraine fatale Auswirkungen hat, ist auch für die Umwelt extrem schädlich. Ein sowjetischer T-72-Panzer verbraucht rund 250 Liter Diesel pro 100 Kilometer, Kampfjets sogar etwa 5.000 Liter Kerosin pro Flugstunde. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) spricht von „weitreichenden und schweren Schäden mit unmittelbaren und längerfristigen Folgen für die menschliche Gesundheit und die Ökosysteme.“

Die Rückstände von Munition, Minen und andere Kriegsrückstände können Böden und Grundwasser mit Giftstoffen jahrzehntelang verseuchen. Der Krieg führt aber auch zu einem erhöhten Ausstoß von Treibhausgasen. „Es gibt die unmittelbaren Emissionen, die im Rahmen des Kampfgeschehens auftreten, beispielsweise den Beschuss ukrainischer Städte durch Marschflugkörper oder die Feuerwalze der russischen Artillerie“, sagt Anselm Vogler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg.

Ebenfalls in die Klimabilanz mit einberechnet werden müssen zum Beispiel das Abfackeln von Erdgas in Russland und der Wiederaufbau in der Ukraine - die Zementproduktion ist besonders kohlenstoffintensiv. Kurioserweise streiten sich Russland und die Ukraine sogar darum, welchem Land die CO2-Emissionen in den von Russland annektierten Gebieten angerechnet werden - beide beanspruchen die Emissionen für sich, um ihren territorialen Anspruch zu untermauern.

Das Problem bei der Schätzung von Klimafolgen durch Kriege ist jedoch, dass viele Länder über die Emissionen ihres Militärs keine oder nur unzureichende Angaben machen - weil sie es nicht müssen. Daher gibt es nur grobe Schätzungen. Laut der britischen Wissenschaftsorganisation Scientists for Global Responsibility (SGR) verursachen die Militärs der Welt und die Industrien, die ihre Ausrüstung liefern, etwa fünf Prozent aller globalen Emissionen.

Ein Aspekt bei dem Krieg ist aber auch, dass die Komponente der Versorgungssicherheit sichtbarer wird. Staaten machen sich wieder mehr Gedanken darüber, wie sichergestellt werden kann, dass man ausreichend Energie zur Verfügung hat. Und an der Stelle haben erneuerbare Energien den Vorteil, dass Europa sie unabhängig von anderen Staaten generieren kann. Das könnte zu einem deutlich stärkerem Ausbau führen.