Sonnenstrom von der Wand

Die Photovoltaik muss viel schneller wachsen als bisher. Und es gibt jede Menge Platz dafür: nicht nur auf Dächern, sondern auch an Fassaden.

Der Solarenergie gehört die Zukunft, das ist klar. Trotzdem geht der Ausbau viel zu langsam voran. Selbst eine jährliche Neuinstallation von rund fünf Gigawatt, wie sie 2020 zustande kam, reicht nicht aus, um die Klimaschutzziele zu erreichen und den erforderlichen Ökostrombedarf abzudecken.

Klar ist auch, dass es zumindest an einer Voraussetzung für den solaren Ausbau nicht mangelt – an Raum. Denn nicht nur auf Dächern ist noch viel Platz, auch die Gebäudefassaden bieten ein riesiges Potenzial. Energieforscher schätzen, dass bis 2050 in Deutschland 400 bis 500 Gigawatt Solarmodule installiert werden müssen, 2020 waren erst etwa 53 Gigawatt erreicht.

Alle geeigneten Dächer bieten rund 160 Gigawatt Platz. Es braucht also weitere Möglichkeiten und da bieten sich die Fassaden an. Die nutzbaren Flächen sind riesig, bis zu 12.000 Quadratkilometer. Eine Fläche wie Mecklenburg-Vorpommern und doppelt soviel, wie auf den Dächern zur Verfügung steht, so eine Untersuchung des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden und des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg.

Die Vorteile: Der Strom wird dort produziert, wo er auch gebraucht wird und man schont Boden und Natur, weil auf flächenverbrauchende Solarparks verzichtet werden kann. Auch der Verein hat dieses Potenzial erkannt und eine richtig schicke Fassadenanlage auf den Weg gebracht.

120 einzeln für dieses Projekt gefertigte Module in den unterschiedlichsten Größen (teilweise gebogen) werden die neue Fassade des Ärztezentrums am Marburger Bahnhof bilden. Investoren können eines oder mehrere dieser Module, die eine Leistung zwischen 271 und 577 Watt peak haben, erwerben.

Natürlich gehören dazu auch die übrigen technischen Einrichtungen wie Verkabelung, Unterkonstruktion, Wechselrichter, Monitoring, usw. Den Eigentümern winkt eine Effektivverzinsung von rund fünf Prozent für ihr zwanzigjähriges Investment. Ein langfristiger Stromliefervertrag (PPA) mit den Stadtwerken Marburg sichert den Ertrag.

Wer noch mitmachen möchte kann sich über das Teilnahmeformular melden. Man erhält dann die Teilnahmeunterlagen zugesendet. Wer Fragen zum Projekt hat, kann sich auch gerne an Christian Quast vom Verein wenden.

Das Radiologische Zentrum am Marburger Hauptbahnhof bekommt eine moderne und klimafreundliche Fassade. (Entwurf und Visualisierung: a.p.l. - architekten, Hagen Plaehn)