Flickenteppich Stromnetz

Deutschland hat rund 880 Stromnetzbetreiber, viele nur mit einem Mini-Netz. Die Regierung hat es versäumt, für einen effektiven Netzbetrieb zu sorgen.

Netzkosten und Netzentgeltstruktur sind so intransparent, dass es unmöglich ist, Netzausbau und Netzkosten effizient zu regulieren. Die Kosten steigen zum kommenden Jahr im Schnitt um 1,1 %. Das ist im Vergleich zu den Vorjahren noch moderat, insgesamt mussten die Stromkunden seit 2017 einen Anstieg der Netzkosten um 10 % hinnehmen. Sie sind zum größten Posten auf der Stromrechnung geworden.

Das Stromnetz in Deutschland wies im Jahr 2017 eine Länge von 1,85 Millionen Kilometern auf. Davon entfielen 1,2 Millionen Kilometer (65 %) auf die Niederspannungsebene, gut 500.000 Kilometer (28 %) auf die Mittel- und 120.000 Kilometer (7 %) auf die Höchstspannungsebene. Instandhaltung, Ausbau, Modernisierung und Betrieb der Netze verschlingen pro Jahr 24 Milliarden Euro.

70 % der Netzbetreiber versorgen jeweils weniger als 30.000 Kunden. Sie müssen dennoch die vollständige Infrastruktur für den Betrieb und den Ausbau ihrer Netze bereithalten. Das treibt die Kosten in die Höhe und bremst die Digitalisierung der Netze, standardisierte Lösungen sind die absolute Ausnahme.

Der Anstieg der Netzkosten wird meist pauschal mit den Kosten für die Energiewende begründet. Doch das ist nicht nachprüfbar, denn die Netzbetreiber haben durchgesetzt, dass sie die Grundlagen für die Kalkulation der Netzkosten den Kunden vorenthalten dürfen. Die Veröffentlichungen der Bundesnetzagentur sind dem entsprechend seitenweise geschwärzt.

Kostenverteilung ungerecht

Alle Verbraucher müssen die Netzentgelte bezahlen, jedoch nicht alle gleich. Betriebe, die viel Strom entnehmen, wenn andere wenig verbrauchen, erhalten Rabatte, ebenso wie Unternehmen, die für mindestens 7.000 Stunden im Jahr Strom aus dem Netz beziehen. Das führt zu Mitnahmeeffekten zulasten der Haushaltskunden. Industriekunden zahlen rund zwei Drittel weniger als Privathaushalte.

Bereits 2015 hat die Bundesnetzagentur die Ausnahmeregeln angemahnt – bis heute ist aber nichts passiert. Die Bundesregierung hat es versäumt, für Transparenz und einen effizienten Netzbetrieb zu sorgen. Aus dem Flickenteppich der Netzbetreiber sollten regionale Netz-Cluster gemacht werden. Das würde einen effizienten, kostengünstigen Betrieb sowie die Modernisierung der Netze erleichtern.

Die Netzentgelte müssen fair verteilt werden, flexibles, netzdienliches Verhalten sollte belohnt werden. Das muss für alle gelten, vom Privathaushalt mit Photovoltaikanlage bis hin zum Großbetrieb. Das Beste ist natürlich, das Netz zu umgehen und selbst produzierten Strom dezentral vor Ort zu verbrauchen oder an z.B. Mieter zu verkaufen.