Nachdem die Vergütung für Sonnenstrom seit Ende 2009 bereits viermal um insgesamt ein Drittel gekürzt wurde, stehen der Solarbranche nun wieder einige Belastungen bevor.
Aus Sorge vor einer strikten Deckelung des Zubaus von Photovoltaikanlagen hat sich der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) mit Bundesminister Norbert Röttgen (CDU) darauf verständigt, den variablen Teil der zum 1. Januar 2012 vorgesehenen Vergütungsabsenkung auf den 1. Juli 2011 vorzuziehen.
Die Kürzung der Vergütung kann je nach Marktentwicklung bis zu 15% betragen, abhängig von einer Jahreshochrechnung der Bundesnetzagentur aus dem Bemessungszeitraum März, April und Mai (5 x 3 Prozent je prognostizierter 1000 Megawatt Zubau oberhalb von 3.500 MW Jahresinstallation). Die Basisabsenkung von 9% zum Januar 2012 bleibt erhalten und erhöht sich, wenn der tatsächliche Jahreszubau über der Hochrechnung vom Juni liegt. In der Summe können die beiden Degressionen einen Wert von 24% erreichen.
In der ca. 200.000 Menschen beschäftigenden Solarbranche aus Herstellern und Installationsbetrieben bedeutet das erneut einen Eingriff in ihre Planungssicherheit. Investitionen in Personal und Ausstattung stehen nun wieder einmal auf wackeligen Füßen, die kurzfristigen Änderungen der Einspeisevergütung bedeuten jedesmal ein „Stop and Go“ des Photovoltaikausbaus. Es ist abzusehen, dass es in den letzten Monaten des ersten Halbjahres wieder zu Lieferengpässen und hohem Arbeitsaufkommen kommen wird, während in den Sommermonaten dann die gegenteilige Situation eintritt.
Es wäre zu wünschen, dass in den nächsten Jahren eine größere Konstanz bei der Umsetzung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) eintritt, um die weltweit immer noch gut aufgestellte deutsche Solarbranche nicht abzuwürgen. Zum Leidwesen der Umwelt könnten diese kurzfristig angesetzten Eingriffe in den Solarmarkt außerdem dazu führen, dass die Photovoltaik nicht schon 2020 einen Anteil von 25 bis 30% an der Stromproduktion erreichen wird.
Es bleibt also in der Verantwortung der Bürger, sich trotzdem weiterhin so stark für den Ausbau der Photovoltaik einzusetzen wie bisher, um den ökologischen Umbau der deutschen Energieversorgung so schnell wie möglich zu erreichen. Hoffentlich führt die vorgesehene Absenkung der Solarstromvergütung aber nicht dazu, dass verstärkt in billigere, technisch unzureichende Anlagen mit qualitativ schlechteren Bauteilen ausländischer Hersteller investiert wird. Qualitativ minderwertige Photovoltaikanlagen in Deutschland wären ein schlechter Beitrag zum Aufbau der Solarstromversorgung.