Die geplante Laufzeitverlängerung der siebzehn deutschen Atomkraftwerke um durchschnittlich zwölf Jahre sorgt für heftige Diskussionen in allen Parteien und der Gesellschaft.
Wer die Diskussion um das Energiekonzept der Bundesregierung verfolgt, kann leicht den Eindruck gewinnen, dass es nur um die Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke und die damit verbundenen Zusatzerträge der Kraftwerksbetreiber geht. Ob die Atomkraft als „Brückentechnologie“ tatsächlich noch bis Mitte des Jahrhunderts zur Verfügung stehen muss oder ob sie den Ausbau erneuerbarer Energien behindert, scheint angesichts unterschiedlicher Zahlen und Statistiken, die in Umlauf gebracht werden, für viele schwer zu beantworten.
Fakt ist: Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist in den letzten Jahren wesentlich schneller vorangekommen, als man sich dies 2001, zum Zeitpunkt des mit den Energieversorgern vereinbarten Atomausstiegsgesetzes, vorgestellt hat:
- Im ersten Halbjahr 2010 wurde 65% mehr Solarstrom eingespeist als im gleichen Zeitraum des Jahres 2009
- Schon heute (Mitte 2010) liefern die Erneuerbaren über 75% der Leistung aller deutschen Kernkraftwerke
- Ende 2010 wird der Anteil der erneuerbaren Energien im Stromnetz über 20% betragen
Den größten Anteil an dieser positiven Entwicklung haben die vielen dezentralen kommunalen Energieversorger und – die engagierten Bürgerinnen und Bürger Deutschlands. Sie sind die Vorreiter der Erneuerbaren. Aber sie wundern sich nun über das Energiekonzept der Bundesregierung, die einerseits hohe Zusatzgewinne für die großen Energiekonzerne durch die Laufzeitverlängerungen der AKW zulässt und andererseits z.B. die Einspeisevergütung für Solarstrom immer stärker reduziert.
Viele erneuerbare Großprojekte der vier Energieriesen bleiben jetzt, obwohl fertig geplant und schon genehmigt, in den Schubladen liegen, weil die Einspeisung von Atomstrom ins Netz höhere Gewinne erzielen lässt – die großen Energiekonzerne haben den Rückwärtsgang eingelegt. Doch die Erneuerbaren drängen trotzdem immer stärker auf den Energiemarkt, weil die Bürger sich selbst engagieren, indem sie in saubere Energieerzeugung investieren.
Deshalb ist der eigentlich kritische Faktor der Infrastrukturausbau, also die Schaffung optimierter, flexibler Stromnetze, die für eine Rundumversorgung mit regenerativen Energien nötig sind. Hier könnte sich der Staat stärker engagieren, wenn er es wirklich ernst damit meint, dass das Zeitalter der erneuerbaren Energien so schnell wie möglich erreicht werden soll.
Die Energiewende kommt von unten, von den Bürgern. Durch die steigende Investition in erneuerbare Energien schafft der Bürger Tatsachen, an denen keiner mehr vorbei kann. Die Rahmenbedingungen für den Ausbau der Erneuerbaren müssen weiter verbessert werden. Aufzuhalten ist der Wille der Bürger, saubere Energie zu produzieren, längst nicht mehr.
Die Energiewende kommt nicht irgendwann. Sie ist in vollem Gange!